Soziale Netze existierten zu allen Zeiten: sie dienten der Kontaktpflege, der gegenseitigen Unterstützung, der Machtsicherung und auch der Vermittlung von Geschäften - ein gutes Beispiel sind z.B. die mittelalterlichen Zünfte. Im Internet entwickeln soziale Netzwerke ganz andere Dimensionen: Die Zahl der Teilnehmer wächst bis in die Millionen, die Informationsvermittlung geschieht in rasantem Tempo und die Abgeschlossenheit solcher Kreise ist nicht mehr gegeben (Datenschutz!). Natürlich spielen auch hier wirtschaftliche Aspekte eine große Rolle.
Neben einer Reihe von anderen Anbietern ist Facebook inzwischen zum Marktführer in diesem Bereich geworden: über 1 Milliarde Nutzer sind es inzwischen weltweit, davon in Deutschland 22 Millionen (Stand Juli 2012). Interessant ist dabei, dass in den letzten beiden Jahren die Zahl der deutschen Facebook-Nutzer jedes Jahr um rund 50% gestiegen ist. Da Facebook eine amerikanische Firma ist, unterliegt es nicht deutschen Gesetzen, was zu erheblichen Datenschutzproblemen führt.
Datenquelle: JIM 2012, Angaben in Prozent, Nennungen ab 1 Prozent (gesamt);
Basis: Internet-Nutzer, n = 1182
Fast alle Schüler haben dort ein Konto und bewegen sich im Netzwerk oft naiv und ungeschützt, so dass Probleme wie Datenmissbrauch und Mobbing nicht ausbleiben.
Nach der Anmeldung in Facebook - offiziell ab 13 Jahren erlaubt, aber oft mit falschen Geburtsdaten umgangen - beschreibt man sich in einer Art Steckbrief – dem Profil - und erstellt eine Freundesliste. Diese "Freunde" haben dann in der Regel Einblick in das Geschehen auf der Facebookseite, wenn die Privatsphäre-Einstellungen richtig vorgenommen wurden. Auf der Seite werden Statusmeldungen ("was machst du gerade?"), Fotos und links auf den Nutzer interessierende Videos oder Internetseiten veröffentlicht. Man kann auch anzeigen, wo man sich gerade befindet, mit wem man gerade zusammen etwas unternimmt, Einladungen zu Veranstaltungen aussprechen und Kommentare zu den Statusmeldungen seiner Freunde abgeben. Neben schriftlichen Unterhaltungen auf der Pinnwand (öffentlich – je nach Einstellung) sind auch Chats und individuelle Nachrichten als Ersatz für E-Mails möglich. Durch die Internationalität von Facebook kann man so auch leicht mit Freunden im Ausland Kontakt halten, was bei deutschen Netzwerken nicht unbedingt der Fall ist.
Das Ausfüllen des kompletten Steckbriefs (nicht verpflichtend) würde die
Preisgabe z.T. sehr privater Informationen und Haltungen (religiöse, politische
Einstellungen, Beziehungen) erfordern. Das Profilfoto ist immer öffentlich sichtbar,
auch wenn man sonst alles in den Privatsphäre-Einstellungen rigoros geschlossen
hat.
Das Layout der Chronik (der Profilseite des Nutzers) vereinfacht die Sichtbarkeit
auch älterer Beiträge für andere. Postings (Statusmeldungen) und Kommentare
lassen sich – auch rückwirkend - zum richtigen Zeitpunkt einfügen. Ziel von
Facebook ist es, den lückenlosen Lebenslauf seiner Nutzer zu erfahren.
Jedes Facebook-Konto besteht aus dem eigenen Profil und einer Liste von Freunden, die berechtigt sind, mit dem Nutzer zu kommunizieren. Gleich nach der Anmeldung schlägt einem Facebook Freunde vor, die man tatsächlich auch kennt. Grund für diese Tatsache ist die in Europa unzulässige Bitte Facebooks, das E-Mail-Konto mit dem eigenen Adressbuch an Facebook zu übertragen (bei der Facebook-App auf Smartphones geschieht dies sogar ohne Frageformular automatisch). Auch E-Mail-Adressen von Nicht-Facebook-Mitgliedern werden so bei dem Netzwerk gespeichert und – bei Anmeldung eines neuen Mitglieds – diesen als Freunde vorgeschlagen. Wer dieses „Freundefinder“-Formular nicht ausfüllt, bekommt es mit erheblicher Penetranz immer wieder auf seiner Seite eingeblendet.
Freunde lassen sich in Listen einteilen, was sinnvoll ist, wenn man Beiträge oder
Fotos nur einer bestimmten Gruppe von Freunden sichtbar machen will, z. B.
seiner Familie.
http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/facebook/video-ratgeber-zum-
schutz-der-privatsphaere-in-sozialen-netzwerken-facebook/#c14699
Der Nutzer schreibt Statusmeldungen auf seine eigene Pinnwand oder auf die Seiten anderer, sofern er die Erlaubnis dazu hat. Für jedes „Posting“ kann man festlegen, wer dieses sehen kann. Mit dem „Gefällt mir“ – Button kann Zustimmung geäußert werden, einen „Gefällt mir nicht“ – Button existiert nicht. Andere können, sofern der Nutzer das erlaubt, die eigenen Statusmeldungen kommentieren – was zu längeren schriftlichen Gesprächen führen kann. Innerhalb dieser Funktion kommt es zu vielen Mobbingfällen.
Facebook-Nutzer können Gruppen beitreten oder solche gründen. Es geht
zunächst um die Suche nach Gleichgesinnten, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe
dient aber auch der eigenen Profilierung. Beispiele: "Ich schmeiß alles hin und
werd Prinzessin", "Düsseldorf - Die schönste Stadt am Rhein", "myschlagloch.de -
werd' Schlaglochpate", "Wir Dorfkinder wissen wenigstens noch, wie man
Straßenlaternen austritt".
Hilfe zum Umgang mit Gruppen findet man auf dieser Facebookseite
http://www.facebook.com/notes/blenn-solutions-social-media-know-how/kleines-
gruppen-1x1-gruppen-auf-facebook-und-wie-man-damit-
umgeht/237807919607158
Fotos lassen sich vom eigenen PC, noch häufiger vom Smartphone aus direkt in Facebook hochladen. Auch hierbei kann die Sichtbarkeit für andere oder für bestimmte Personenkreise eingeschränkt werden. Probleme ergeben sich durch Markierungen auf Fotos, über die man direkt in das Profil des Markierten gelenkt wird. Urheber- und Persönlichkeitsrecht werden häufig missachtet.
Informationen über Veranstaltungen (Stichwort: Facebook-Party) führen gelegentlich zu unkontrollierbaren Massenaufläufen. Sie können aber auch ganz normale Einladungen zu privaten oder öffentlichen Anlässen sein. Die Erstellung von Quizzen und Umfragen ist meistens nicht ernst gemeint und dient dem Bedürfnis nach Kontakt und Unterhaltung:
Einen großen Raum nehmen Verweise auf Videos und/oder interessante Internetseiten ein. Hier ist wohl der größte Zeitfresser zu sehen, wenn Jugendliche diese Links aufrufen, Filme anschauen und dann kommentieren.
Zur Unterhaltung kann man - zunächst kostenlos - Spiele online spielen (auch gemeinsam mit anderen) oder sich kleine Programme ("Apps") auf seine Seite herunterladen, die einen z.B. an Geburtstage erinnern oder lustige Sprüche liefern. Beides erfordert Datenfreigabe an unbekannte Drittanbieter, sonst bekommt man die Anwendung nicht. Dabei können auch ungewollt Informationen über die Freunde weitergegeben werden.
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