Das Web 2.0 lebt von und mit seinen Nutzern.
Nutzer und gleichzeitig Schöpfer: Das Web 2.0 [1] lebt von den Millionen Individuen, die sich mit Hilfe 'sozialer Software' [2] vernetzen und selbst Content erstellen; sich mitteilen, Inhalte teilen und tauschen. Jedes Facebook-Profil, jede Statusnachricht, jedes Profilbild wird zu einem Bestandteil des WWW und damit im Zweifelsfall öffentlich für die Welt.
Das kommerzielle System hinter den 'kostenlosen' Plattformen beobachtet, verfolgt und zeichnet die Spuren der Nutzer im Netz auf und verknüpft sie zu Profilen. Diese Profile werden für personalisierte Werbung benutzt oder an interessierte Firmen verkauft. Je mehr die kommerziellen Interessen einer Plattform im Vordergrund stehen, desto großzügiger wollen sie mit unseren Daten umgehen. Erst nach umfangreichen Protesten aus der Community hat z. B. die Firma Instagram [3] (eine zu Facebook gehörende Fotosharing-Site) darauf verzichtet, sich ein umfangreiches Verwertungsrecht für die Bilder auf seiner Seite einzuräumen.
Das Tauschen und Teilen von Fotografien ist insbesondere für jüngeren Nutzer der Sozialen Netzwerke ein MUSS. Mit einem Smartphone wird schnell mal ein Foto geschossen und unmittelbar auf Facebook hochgeladen. Die Gesichtserkennung verknüpft die fotografierten Personen mit dem Bild und postet die Infos an die Facebook-Freunde. Interessante Bilder von anderen Seiten werden kopiert und im eigenen Profil getauscht. In der Regel spielt die Frage, ob der Urheber des Bildes oder die abgebildete Person damit einverstanden ist, keine Rolle. Neben den möglichen urheberrechtlichen Problemen sind hier die Regelungen des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte zu bedenken.
„Unter den Bedingungen der elektronischen Datenverarbeitung gibt es kein belangloses personenbezogenes Datum mehr“ [4]
In den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union ist das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verankert. In Deutschland hat es Grundrechtsrang. [5] Es besagt, dass jeder Einzelne das Recht hat, darüber zu bestimmen, ob ein persönliches Datum veröffentlicht und wie es verwendet wird. Deshalb dürfen persönliche Daten nur nach ausdrücklicher Zustimmung des Betroffenen oder aufgrund gesetzlicher Bestimmungen erhoben, gespeichert und verarbeitet werden.
Jeder Nutzer des Internets hinterlässt Spuren. Intelligente Software verknüpft diese Spuren mit den vom Nutzer freigegebenen Daten im Netz. So fallen aus Internetverbindungen, Amazon Bestellungen, Google Suchanfragen, Youtube Besuchen, Flickr Nutzungen und Facebook Seiten umfangreiche Daten an, aus denen Profile erstellt werden, die kommerziell, polizeilich oder betrügerisch verwertet werden können.
Das Grundrecht auf Datenschutz, die Datenschutzgesetze des Bundes und der Länder konkurrieren mit den ökonomischen Interessen der Internetfirmen und den Informationsbedürfnissen der Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden. Die Menge und Qualität der Daten, die erhoben, gespeichert und verknüpft werden können, enthält die Gefahr des Missbrauchs. Autoritäre Staaten können damit einen perfekten Überwachungsstaat aufbauen.
Für Betrüger oder Verbrecher haben die persönlichen Daten anderer Menschen großen Wert. Gelingt es ihnen, in die Datenbanken eines Unternehmens einzudringen und Kundendaten zu stehlen, stehen ihnen möglicherweise die Konten der Betroffenen offen.
Seriös arbeitende Firmen entwickeln aus den Profildaten personalisierte Werbung. Betrüger, die im Besitz von Profildaten sind, können personalisiert und damit viel wirkungsvoller Spam versenden, um an Kreditkartennummern, TANs oder Pins zu gelangen oder um Schadprogramme auf einem PC zu installieren.
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Software
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Instagram
[4] http://www.heise.de/tp/artikel/27/27480/1.html
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Informationelle_Selbstbestimmung
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