Sexualität-Pornografie-Gewalt und Missbrauch im Netz

Erotik, Sexualität, Gewalt und Missbrauch – die andere Seite der Medaille.

An einem 'normalen', nicht mit einem Filter versehenen PC, der mit dem Internet verbunden ist, liegen unmittelbar neben den positiven, gewünschten Inhalten die Erwachsenen-Seiten und Inhalte, die von kriminellen, kranken, perversen, Minderheiten/Menschen bereitgestellt werden. Bereits ein Vertipper bei der Eingabe eines Namens kann auf eine unerwünschte Seite führen, genau wie der vertrauensvolle Klick auf eine per E-Mail übermittelte Adresse. Und welche Links und Inhalte in der Peer-Group geteilt werden, davon haben Eltern und Lehrkräfte oft überhaupt keine Ahnung.

"Sex sells" ist die Binsenweisheit der Werbeindustrie. Deshalb sind Sexualität und Erotik in den öffentlichen Räumen (Werbung) und in den Medien stets präsent. Wird in der Werbung die Erotik oft einfach als "Eye-catcher" verwendet, sind bereits in Nachmittagssoaps im Fernsehen Intimitäten und Geschlechtsverkehr zumindest in symbolisch angedeuteter Weise vorhanden und vergrößern die Attraktivität der Programme. Im gleichen Sinn peppen auch die einschlägigen Portalseiten von web.de über rtl.de bis hin zu bild.de mit Sex (und Crime) die Attraktivität ihrer Seiten auf.

Für die Entwicklung des Internets spielte der Wunsch, Sex anzuschauen und erotische Inhalte zu tauschen, eine große Rolle, bot das Netz doch erstmals die Möglichkeit eines bequemen, anonymen Zugangs. Auch heute noch ist Pornografie „einer der stärksten Motoren für die Entwicklung und Verbreitung des Internets“ [1] . Musste MANN früher ins Kino gehen, um einschlägige Filme zu sehen, konnte er später dank Videorekorder zu Hause konsumieren. In Zeiten des Internets sind die Inhalte jederzeit an jedem internetfähigen Computer erreichbar – und zwar von jedem Nutzer! Ausgewiesene Porno-Seiten gehören zu den größten Seiten des WWW. Schätzungsweise 30 Prozent des Datenverkehrs im Netz besteht aus Pornografie [2] . Bis vor wenigen Jahren waren diese Seiten noch die größten im Netz – erst seit dem Entstehen der sozialen Netzwerke wurden die Porno-Seiten auf die Ränge verwiesen. [3]

Kinder, Jugendliche und Erwachsene wollen kommunizieren und Netzwerke bilden – wie im realen Leben, so auch im Internet. Diese Motivation und der Wunsch nach unmittelbarem Zugang zu Unterhaltung in Form von Musik und Videos, haben zum explosionsartigen Wachstum der sozialen Netzwerke geführt. Communities zum Tauschen von Bildern (Flickr) und Videos (Youtube), Chatseiten, Skype, Twitter, und allen voran Facebook erreichen mehr Zugriffe als die Pornoseiten zusammen. [4]

Das Internet ist ein ungeheuer mächtiges Werkzeug. Wie jedes Werkzeug wird es für schädliche und kriminelle Zwecke missbraucht. Schon Kinder im Alter von 11-12 Jahren chatten bereits und setzen sich dadurch dem anonymen Zugriff von anderen Menschen aus. Wie die Erfahrung im Chat zeigt, aber auch die Polizeiakten und die Presse belegen, gelingt es dabei immer wieder (vor allem pädophilen Männern) das Vertrauen von Kindern zu erschleichen. Was mit der Bitte um ein Bild in Unterwäsche oder mit nacktem Oberkörper im Tausch gegen eine Aufladung des Handys beginnt, kann mit einer Vergewaltigung enden. [5] Auch in den sozialen Netzwerken besteht diese Gefahr, da ein Profil (Alter, Geschlecht) gefaked sein kann.

Sobald man ein E-Mail-Konto hat, ist man der Flut von Spam-Mails ausgesetzt. Hier werden nicht nur Konsumgüter beworben, sondern auch gefährliche illegale Medikamente, Pornoseiten und es wird versucht, Menschen für kriminelle Aktivitäten zu gewinnen (Geldwäsche, Drogenkuriere). Nicht selten führen die enthalten Links zu Seiten, die den Rechner mit Viren oder Trojanern verseuchen. Wenn aus Kindern Jugendliche werden, entsteht bei vielen eine grundlegende Verunsicherung und damit das Interesse und die Neugier an vorher unbeachteten Inhalten im Netz. Neben der Pornografie sind für manche Jugendliche und junge Erwachsene Selbstmord-Foren oder Anorexia-Foren [6] von Bedeutung. Selbstmord ist eine der häufigsten Todesursachen im Jugendalter.

Besonders verstörend und erschreckend sind Bilder und Filme, die in brutaler Weise zeigen, wie Tiere oder Menschen gequält, verstümmelt oder ermordet werden. Bereits ein einmaliger Kontakt mit solchen Inhalten kann bei Kindern und Jugendlichen zu bleibenden Schäden führen. Eher selten werden solche Inhalte aktiv aufgesucht. Meist werden Links zu solchen Seiten in den Peergroups über Messenger verbreitet, über Facebook geteilt oder auf Handys gepostet oder einfach in der Pause auf dem Handy gezeigt. Meist besteht ein Gruppenzwang, solche Inhalte anzuschauen – man will ja mitreden können... [7]


[1] http://www.zeit.de/digital/internet/2012-04/internet-html5-pornografie

[2] http://www.extremetech.com/computing/123929-just-how-big-are-porn-sites

[3] http://www.zeit.de/digital/internet/2012-04/internet-html5-pornografie

[4] http://www.oe24.at/internet/Die-10-groessten-Internetseiten-der-Welt/1669338

[5] http://www.nrw-presseportal.com/18jaehriger-vergewaltigt-15jaehrige/
http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Fuenf-Jahre-Haft-fuer-Vergewaltiger-von-12-jaehrigem-Maedchen

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Pro-Ana

[7] http://www.klicksafe.de/service/materialien/broschueren-ratgeber/gewalt-im-web-20/ (Seiten 195 - 209)

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