Marcus Tullius Cicero
| 106 v.Chr | geboren in Arpinum, heute Arpino, Stadt in Latium/Italien, zirka 100 Kilometer östlich von Rom. |
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43 v. Chr. |
gestorben bei Formiae, heute Formia, Stadt am Meer, zirka 80 Kilometer entfernt von Arpinum. Philosoph, Politiker Schriftsteller |
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wiki/File:M-T-Cicero.jpg?uselang=de, gemeinfrei, ohne Namensnennung. |
Die Natur des Menschen und seine Würde
Aber es geht die gesamte Frage nach dem rechten Handeln an, immer vor Augen zu haben, wie sehr die Natur des Menschen über dem Vieh und den übrigen Tieren steht. Jene empfinden nichts außer der Lust und stürzen zu ihr mit aller Leidenschaft, der Geist des Menschen aber nährt sich durch Lernen und Denken, erforscht oder treibt immer irgend etwas und läßt sich durch Freude am Sehen und Hören leiten. Ja, wenn einer den Vergnügungen ein wenig zugeneigt ist, wenn er nur nicht zur Gattung des Viehs gehört - manche sind nämlich Menschen nicht der Sache, sondern nur dem Namen nach -, aber wenn einer auch nur ein wenig höher steht, verbirgt er sogar, auch wenn er von der Lust erfaßt wird, es doch und verheimlicht den Trieb zur Lust aus Scheu. Daran erkennt man, daß körperliche Lust nicht recht des Vorranges des Menschen würdig ist und daß man sie geringschätzen und zurückweisen muß. Wenn es aber einen gibt, der etwas der Lust einräumt, so muß er in ihrem Genuß sorgsam Maß halten. Daher soll Lebensführung und Pflege des Körpers auf die Gesundheit abgestellt sein und auf die Körperkräfte, nicht auf die Lust. Und wenn wir bedenken wollen, welche Auszeichnung und welche Würde in (unserer) Natur liegt, werden wir auch einsehen, wie häßlich es ist, in Ausschweifungen sich gehen zu lassen und üppig und weichlich zu leben, und wie ehrenvoll, sparsam, enthaltsam, streng und nüchtern.
Marcus Tullius Cicero, Vom rechten Handeln herausgegeben und übersetzt von Karl Büchner, Artemis Verlag, München und Zürich, 1987, S.91
Aristoteles (als Vergleich)
| 384 v.Chr. | in Stageira an der Ostküste der Halbinsel Chalkidiki. |
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322 v.Chr. |
in Chalkis, Hauptstadt der griechischen Insel Euböa Universalgelehrter |
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/wiki/File:Aristotle_Altemps_ Inv8575.jpg?uselang=de, gemeinfrei, ohne Namensnennung |
Gleiche und Nicht-Gleiche
Und es muß dieselbe Gleichheit bei den Personen, denen ein Recht zusteht, vorhanden sein, wie bei den Sachen, worin es ihnen zusteht: wie die Sachen, so müssen auch die Personen sich verhalten. Sind sie nämlich einander nicht gleich, so dürfen sie nicht gleiches erhalten. Vielmehr kommen Zank und Streit eben daher, daß entweder Gleiche nicht Gleiches oder nicht Gleiche Gleiches bekommen und genießen. Das ergibt sich auch aus dem Moment der Würdigkeit. Denn darin, daß eine gewisse Würdigkeit das Richtmaß der distributiven Gerechtigkeit sein müsse, stimmt man allgemein überein, nur versteht nicht jedermann unter Würdigkeit dasselbe, sondern die Demokraten erblicken sie in der Freiheit, die oligarchisch Gesinnten in Besitz oder Geburtsadel, die Aristokraten in der Tüchtigkeit.
Aristoteles, Nikomachische Ethik, 60. Kapitel, übersetzt von Eugen Rolfes, 1911, Felix Meiner Verlag, http://gutenberg.spiegel.de/buch/2361/60
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