17.11.2016
von Götz Bechtle
Franz-Walther Schmidt bei der Führung durch die Dali-Ausstellung
Foto: Bechtle
Was haben der italienische Schriftsteller und Philosoph Dante Alighieri (1265-1321) und der spanische Künstler Salvador Dali (1904-1989) gemeinsam? Dantes bekanntestes Werk ist „Die Göttliche Komödie,“ und zu dieser hat Dali einen Bilderzyklus geschaffen, der rund 100 Holzschnitte, Aquarelle und Grafiken umfasst.
Um es klar zu stellen: Dantes „Göttliche Komödie“ ist sein bedeutendstes Werk, jedoch weder lustig noch unterhaltsam. Man kann es als eine dramatische Lehrdichtung bezeichnen, gleichermaßen aber auch als Prophetie, als persönlichen fingierten Reisebericht oder als Versuch des Dichters, das Jenseits mit diesseitigen Überlegungen zu verstehen. Es ist ein geistiger Weg durch die drei Jenseits-Reiche Inferno (Hölle), Purgatorio (Läuterung, Fegefeuer) und Paradiso (Paradies, Himmel), der in einhundert Versen von den Musen vorgetragen wird.
Salvador Dali hat sich bereits in jungen Jahren künstlerisch dem Surrealismus zugewandt, einer Bewegung der Kunst, der Literatur, der Malerei und Plastik, des Films und der Werbung, in der das Unbewusste, Paradoxe und Traumhafte eine Rolle spielen. Im Grunde genommen ist es eine neue Weltanschauung, in der das freie Spiel der Gedanken nicht durch die Vernunft kontrolliert werden soll. Dalis Markenzeichen war sein gezwirbelter Schnurrbart, seine bekanntesten surrealistischen Werke sind „Schmelzende Uhren,“ „Brennende Giraffe“ oder die „Schulbladenfrau.“ Und ebenfalls in surrealistischer Manier hat er Dantes „Göttliche Komödie“ in surrealistische Bilder umgesetzt.
Diese Illustrationen wurden am Donnerstagabend im Rahmen einer interessanten Vernissage einem erstaunlich großen Publikum in der Landesakademie Bad Wildbad vorgestellt. Leihgeber der Bilder ist Franz-Walther Schmidt aus Gaildorf, der durch die Ausstellung führte, für die man allerdings bei eingehender Betrachtung viel Zeit benötigt.
Mit den Eigenkompositionen „Espaňa de Dali“ und einer Tarantella eröffnete das Höfener Jochen Volz-Duo (Jochen Volz, Gitarre, und Markus Bodamer, Percussion) die Vernissage. Akademiedirektorin Carmen Mattheis freute sich in ihrer Begrüßung, diese außergewöhnliche Ausstellung präsentieren zu können, die durch den persönlichen Kontakt der früheren Akademiereferentin Monika Meier zu Franz-Walther Schmidt zustande kam. Ihm galt vor allem der Dank von Mattheis, ebenso aber auch der Akademiereferentin Constanze Kraft, welche den Aufbau der rund 100 Bilder und der dazu passenden Texte über Dante und Dali bewerkstelligte. Als neuen Kooperationspartner begrüßte Mattheis Bildungsreferent Hans-Joachim Remmert von der Katholischen Erwachsenenbildung Nördlicher Schwarzwald, der in seinem Grußwort betonte, dass Dali mit seinen Bildern die Angst vor dem Jenseits nähme. Die Bilder stellten nicht die Frage nach dem Jenseits, sondern wiesen darauf hin, wie wir miteinander leben.
In seinem Vortrag zeigte Franz-Walther Schmidt auf, wie Dali 1951 begann die „Göttliche Komödie“ mit Aquarellen zu bebildern und dies dann mit Holzschnitten bzw. Holzstichen weiterführte. Zu den Jenseitsführern, die den „Reisenden“ durch Hölle und Läuterung geleiten, gehört der römische Dichter Vergil sowie der Dichter Statius, welcher um die Zeit Chrisi lebte.
Der Besucher der Ausstellung benötigt auf jeden Fall viel Zeit zur Besichtigung, denn unter jedem der zahlreichen Bildnisse ist der entsprechenden Dante-Text zu lesen, so dass der Bildinhalt verständlicher(er) wird. schließlich sieht Dali als surrealistischer Künstler die „Göttliche Komödie“ anders als Dante und stellt sie deshalb auch anders dar.
Stolz ist Schmidt auch auf fünf ausgestellte Zeichnungen des italienischen Künstlers Sandro Botticelli (1445-1510), einem der bedeutendsten Künstler der Frührenaissance. Auch Botticelli hat sich mit Dantes „Göttlicher Komödie“ beschäftigt und entsprechende Zeichnungen (Purgatorio, Paradiso) angefertigt.
Bei einem Rundgang im ersten Stock der Landesakademie hatten die Besucher die Möglichkeit die Dali-Bilder zu betrachten, wobei es nicht immer ganz einfach war, den surrealistischen Gedanken von Dali zu folgen. Interessant ist auch die Rahmung der Bilder, nämlich silberfarben für die Hölle, golden für Fegefeuer und Paradies.
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