04.11.2016

Die Landes-Lehrer-Bigband

von Götz Bechtle

„Das war ein tolles Konzert!“ lobte Carmen Mattheis, Direktorin der Landesakademie Bad Wildbad, am Freitagabend zum Abschluss des perfekten Auftritts der Landes-Lehrer-Bigband im Wildbader Kursaal. „Straight ahead,“ frei übersetzt „Immer geradeaus“ nannte sich das Programm, das zweieinhalb Tage lang während der Herbstferien von den Musiklehrern in der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen erarbeitet worden war.

Alle teilnehmenden Musiker sind Lehrer im baden-württembergischen Schuldienst und gleichzeitig Vollprofis, die selbst Bigbands oder Combos leiten.

Der frühere Jazzbeauftragte des Landes, Tilman Jäger, Komponist, Pianist, Arrangeur, Dirigent und Dozent an der Musikhochschule Trossingen, gründete 2002 gemeinsam mit Klaus-Dieter Mayer die Landes-Lehrer-Bigband, die zehn bis zwölf Mal jährlich auftritt. Mitwirkende dabei sind Lehrer aus ganz Baden-Württemberg von Markdorf bis Wertheim und von Schwäbisch Hall bis Offenburg.

Klaus-Dieter Mayer ist nicht nur Manager der Lehrer-Bigband, sondern fungierte im Wildbader Kursaal auch als Moderator und Sänger der Band, die in wechselnder Besetzung ein absolut fetziges musikalisches Programm bot, das total begeisterte. Eröffnete die Bigband ihr Programm im Glenn-Miller-Sound, so stellte man anschließend rasch fest, dass sie feinsten Jazz beherrschten und mit erstklassigen Instrumentalsoli das Publikum begeistern konnten. Auch eine Gruppe von Gastlehrkräften aus der Türkei, die am Freitagnachmittag in der Landesakademie einen Lehrgang für muttersprachlich türkischen Unterricht begonnen hatten, erhielten dadurch einen vielleicht etwas unerwarteten Einblick in das Musikleben einer deutschen Lehrer-Bigband. Zudem bildeten sie auch das Bindeglied zum zweimonatigen Festi-Wall, einem Kooperationsprojekt der „AG Menschen Miteinander,“ das von Hubertus Welt initiiert worden war und für ein „friedliches Miteinander“ steht. Schließlich gilt auch hier: Musik verbindet!

Der Jubilar des Abends war allerdings Frank Sinatra, der im vergangenen Jahr seinen hundertsten Geburtstag hätte feiern können. Klaus-Dieter Mayer verstand es ausgezeichnet, eine Hommage für den Superstar gesanglich darzustellen. Mit Hut auf der Bühne begeisterte Mayer mit „The lady is a tramp“ und dem „zweitberühmtesten“ Song „New York, New York,“ sowie mit anderen auch weniger bekannten Titeln. Aber auch dem vor kurzer Zeit völlig unerwartet verstorbenen Sänger Roger Cicero widmete Mayer zwei Songs „Männersachen“ und „Es geht alles schief,“ Titel, die voller Wehmut an Roger Cicero erinnern.

Sehr ausgewogen zeigte sich die instrumentale Besetzung der Lehrer-Bigband: fünf Saxophone, fünf Posaunen und ebenso viele Trompeten, die zum Teil in wechselnder Besetzung auftraten. Dazu Klavier und Keyboard, Bass, E-Gitarre und Schlagzeug – insgesamt eine hervorragende Besetzung, die vom Saxophonist Stefan Zenth musikalisch geleitet wurde.

„Wir hauen Ihnen das Ergebnis unseres heute zu Ende gehenden Lehrgangs gnadenlos um die Ohren,“ meinte Mayer humorvoll, andererseits bekräftigte er jedoch, dass der Auftritt im Kursaal ein „reines Genussspiel“ sei. Und auch für die Zuhörer war es durchaus ein instrumentaler Genuss, vor allem, wenn bekanntere Jazzstandards gespielt wurden oder man abschweifte zum melancholisch eleganten „La mer,“ einem der bekanntesten Lieder von Charles Trenet (1913-2001), das Mayer in französischer Sprache gefühlvoll darbot.

Viel begeisterten Beifall gab’s zum Abschluss, und Carmen Mattheis gab in ihren Dankesworten ihrem Wunsch Ausdruck, dass man hoffentlich im nächsten Jahr wieder ein Konzert mit der Landes-Lehrer-Bigband genießen könnte.

 

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