Das NSLB-Schulheimschiff „Hans Schemm“
Kurzbeschreibung des Moduls:
Hintergrund
Bedeutung
Verlaufsplan
| Zeit / Phase | Inhalt / methodische Hinweise |
|---|---|
| 1. Doppelstunde | |
Einstieg Leitfrage | Den Schülerinnen und Schülern wird zunächst ein Ausschnitt eines Schreibens der NSLB-Kreisamtsleitung in Bad Mergentheim vom 05.05.1938 in Kombination mit dem Foto und der Schlagzeile Auf großer Fahrt mit dem Schulheimschiff Hans Schemm zu einem Artikel aus der NSLB-Schülerzeitschrift Hilf mit! vorgelegt. Auf dem Foto zu sehen ist ebendieses Schulheimschiff „Hans Schemm“ auf der Stör-Wasserstraße vor Anker liegend in der Nähe von Banzkow, einer Gemeinde in Mecklenburg im Sommer 1936. Nach einer Beschreibung des Fotos und einer ersten historischen Einordnung erfolgt als Ergänzung die vergleichende Betrachtung zweier Werbezitate für eine Klassenfahrt im Jahr 1938 und 2023 auf einem (Segel-)Boot. Zugespitzt formuliert fallen erstaunliche Überschneidungen auf: Schüler im Schulheim auf dem Wasser sitzen buchstäblich alle im selben Boot (vgl. M4) und können dem Schiff nicht entfliehen, unter der Fahrt nicht aussteigen (vgl. M3). Auf Grundlage der Einstiegsmaterialien entwickeln die Schülerinnen und Schüler eine Leitfrage. Beispiele: Schulheim auf dem Wasser als erlebnispädagogische Methode der Erziehung zur Gemeinschaft: Was unterscheidet die Fahrt einer Schulklasse aus Bad Mergentheim auf dem NSLB-Schulheimschiff Hans Schemm im Jahr 1938 von heutigen Segeltörn-Klassenfahrten auf dem Ijsselmeer? |
| Erarbeitung I | Die Schülerinnen und Schüler stellen im Anschluss Hypothesen auf und überlegen die weitere Vorgehensweise. Der hier vorgeschlagene Dreischritt Recherchieren und Informieren, Einordnen und Kontextualisieren, Urteilen und Werten kann arbeitsteilig in Expertengruppen (E1-E4) und Stammgruppen (S1=E1-E4; S2=E1-E4; S3=E1-E4 usw.) mit abschließender Diskussion im Plenum erfolgen (siehe Arbeitsaufträge für Expertengruppen). In der ersten Erarbeitungsphase sammeln die Schülerinnen und Schüler in Expertengruppen Informationen aus den gegebenen Materialien über die Entstehung, den pädagogischen Zweck, die Ausstattung, die Aktivitäten an Bord des NSLB-Schulheimschiffes und rekonstruieren exemplarisch am Beispiel der Oberschüler aus Bad Mergentheim (oder der Oberschülerinnen aus Stuttgart) den Auswahlprozess sowie die ihm zugrunde liegenden Kriterien. Die Schülerinnen und Schüler halten ihre Ergebnisse auf einem Ergebnisblatt fest, das zur Sicherung dienen kann. |
| Auswertung I | Nach Einteilung der Stammgruppen referieren die Schülerinnen und Schüler reihum die Ergebnisse aus den Expertengruppen E1 bis E4, tragen die zentralen Aspekte in das Ergebnisblatt ein und ergänzen ggf. Ihre Aufzeichnungen. |
| Erarbeitung II | Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten in den Stammgruppen gemeinsam die Arbeitsaufträge 1-4 und halten wiederum Ihre Ergebnisse schriftlich auf Ihrem Ergebnisblatt fest. Je nach Zeit können die Arbeitsaufträge 1-4 auch arbeitsteilig auf die Stammgruppen verteilt werden. Arbeitsauftrag 6 kann als Vertiefungs- oder Differenzierungsangebot (für bspw. besonders schnelle Stammgruppen) dienen. |
Auswertung II Sachurteil | Die Stammgruppen präsentieren die Ergebnisse zur historischen Einordnung des mobilen Schulheims auf dem Wasser im Kontext der NS-Ideologie und -Herrschaftspraxis. Ggf. grundsätzliche Diskussion der These Götz Alys von einer Gefälligkeitsdiktatur durch Erweiterung (mittels Schulbuchangebot) um andere sozialpolitische Maßnahmen der Nationalsozialisten (DAF-Organisationen KdF u. Schönheit der Arbeit: Bsp. KdF-(Volks)Wagen, preiswerte Urlaubsfahrten; Ehestandsdarlehen etc.) und der Frage nach den Profiteuren („Arisierungen“). |
| Überleitung | Im Anschluss greift die Lehrkraft auf die Materialien des Einstiegs zurück und leitet zur Beantwortung der Leitfrage über. |
| Erarbeitung III | Die Schülerinnen und Schüler vergleichen hierzu zunächst in einer kurzen Einzel- oder Partnerarbeit die Deutschlandfahrt der Oberschüler aus Bad Mergentheim auf dem NSLB-Schulheimschiff in Jahr 1938 hinsichtlich der pädagogisch angestrebten Ziele mit einem Segeltörn auf dem Ijsselmeer für Jahrgangsstufenschüler. |
Problematisierung Werturteil | Beantwortung der Leitfrage (Arbeitsauftrag 5): Schülerinnen und Schüler beantworten nun die Frage, was die Fahrt einer Schulklasse aus Bad Mergentheim auf dem NSLB-Schulheimschiff „Hans Schemm“ im Jahr 1938 von heutigen Segeltörn-Klassenfahrten auf dem Ijsselmeer interscheidet? |
Vertiefung / Hausaufgabe Werturteil | Arbeitsauftrag 6 und 7 können als Vertiefung eingesetzt oder als Hausaufgabe gegeben werden. |
| 2. Doppelstunde | |
Einstieg Leitfrage | Der Einstieg in die Doppelstunde erfolgt über ein Zitat des Kapitäns der Hans Schemm aus dessen Artikel für die NS-Lehrerzeitung: Man kann dem Schiff nicht entfliehen, unter der Fahrt nicht aussteigen. Trotz allem bleibt aber immer noch genügend Spielraum und Platz für Eigenbetätigung. Mögliche Leitfrage: Wie wirkmächtig war die weltanschaulich-politische Indoktrination in der Praxis auf die Schüler (und Schülerinnen) während der Fahrt auf dem NSLB-Schulheimschiff Hans Schemm? |
| Erarbeitung I | Kreatives Schreiben: Die Schülerinnen und Schüler sollen sich in die Lage eines männlichen Oberschülers der 3-5 Klasse in Bad Mergentheim (entspricht einer 7./8. Klasse an einem Gymnasium oder einer Realschule) versetzen, der im Sommer 1938 mit seiner Klasse an einer einwöchigen Fahrt auf dem NSLB-Schulheimschiff Hans Schemm teilgenommen hat. Aufgabe: Schülerinnen und Schüler verfassen in Einzel- oder Partnerarbeit einen knappen (fiktiven) historischen Erlebnisbericht aus Schülersicht über die Fahrt auf der Hans Schemm für das Jahrbuch der Schule. Alternativer Vorschlag: Textanalyse und Quellenkritik Schülerinnen und Schüler analysieren den Schülerbericht und beurteilen den Quellenwert (z. Bsp. Authentizität; Aussagekraft; Verallgemeinerbarkeit) des Berichts, um daraus Rückschlüsse auf den Grad der Indoktrination der Schüler ziehen zu können. |
Präsentation Werturteil | Die Schülerinnen und Schüler lesen (freiwillig) Berichte vor und reflektieren, wie empfänglich sie als in NS-Deutschland sozialisierter Schüler im Jahr 1938 für die erlebnispädagogisch verpackte NS-Propaganda auf dem NSLB-Schulheimschiff Hans Schemm gewesen wären. |
| Erarbeitung II | Die Schülerinnen und Schüler vergleichen nun ihre verfassten Berichte mit einem zeitgenössischen Bericht, der vom NSLB in dessen Nationalsozialistischen Lehrerzeitung veröffentlicht wurde und überprüfen Ihre Berichte auf Stimmigkeit. |
Problematisierung Sachurteil | Beantwortung der Leitfrage: Schülerinnen und Schüler beurteilen die Wirkmächtigkeit der weltanschaulich-politischen Indoktrination in der Praxis auf die Schülerinnen und Schüler während der Fahrt auf dem NSLB-Schulheimschiff Hans Schemm. |
Vertiefung / Hausaufgabe Werturteil | Die Schülerinnen und Schüler erörtern, inwieweit das historische Beispiel des NSLB-Schulheimschiffes Hans Schemm geeignet ist, heutigen Schülerinnen und Schüler den Wertewandel von der NS-Erziehungsdiktatur zu einer Erziehung auf Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundordnung deutlich zu machen. |
