"Was ist mit Johannes Maurer geschehen? - NS-"Euthanasie"-Verbrechen aufdecken
Kurzbeschreibung des Moduls:
1. Hintergrund
a) Historische Einordnung
b) Historische Bedeutung
2. Das Thema im Unterricht
a) Impulse und Material für den Unterricht mit didaktischen Hinweisen
| Zeit/Phase | Inhalte/methodische Hinweise |
|---|---|
| erste Doppelstunde | Das Schicksal des Johannes Maurer - Menschenverachtung und Missachtung individuellen Willens |
| Einstieg | Konfrontation mit dem Verbrechen an Johannes Maurer über den für ihn verlegten Stolperstein. Informationen werden in historischen Kontext gesetzt, Forschungsfragen gestellt und über die Art des Erinnerns reflektiert Arbeitsblatt 1 [PDF 716 KB] Lösungsvorschlag 1 [PDF 88KB]. |
| Erarbeitung 1 | Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die Angaben auf dem Stolperstein mit den Informationen auf der Karteikarte aus der sogenannten "Erbgesundheitskartei". Sie nehmen nun die Rolle von Mordermittlern ein, legen ein Ermittlungsprotokoll an, auf welchem wichtige Informationen, Fragen, Ungereimtheiten und Hypothesen gesammelt werden. Das Ermittlungsprotokoll wird sukzessive in den Arbeitsphasen der beiden Doppelstunden ergänzt. Über die archivalische Quelle können Aussagen zur arbeitsteiligen, akribischen und organisierten Arbeit unterschiedlicher Personengruppen in der nationalsozialistischen Diktatur gemacht werden, die das Erstellen der "Erbgesundheitskartei" erst möglich gemacht hat. Arbeitsblatt 2 [PDF 15,6 MB] Lösungsvorschlag 2 [PDF 98 KB] |
| Erarbeitung 2 | In der Fürsorgeakte der Stadt Trossingen und des Landkreises Tuttlingen sind Briefe erhalten, die zwischen dem Bürgermeister der Stadt Trossingen, dem Landratsamt und der Heilanstalt Weissenau gewechselt wurden. Die Briefe betreffen die Sorge des Vaters von Johannes Maurer um den Zustand seines Sohnes. In Auszügen werden die Briefe den Schülerinnen und Schülern vorgelegt. Sie erarbeiten die Bemühungen des Vaters um seinen Sohn und ergänzen wichtige Erkenntnisse im Ermittlungsprotokoll. Wortwahl und Sprache wird in den Briefen analysiert und aus heutiger Perspektive soll das Verhalten der Beteiligten beurteilt werden. Arbeitsblatt 3 [PDF 188 KB] Lösungsvorschlag 3 [PDF 103,8 KB] |
| Erarbeitung 3 | Die Schülerinnen und Schüler deuten zwei Propagandaplakate zur "Rassenhygiene" und informieren sich über die Begriffe "Eugenik" und "Euthanasie", um eine Hypothese für das Mordmotiv an Johannes Maurer zu entwickeln. Sie erkennen, dass Johannes Maurer aufgrund seiner Erkrankung nicht den idealen Menschenvorstellungen der Nationalsozialisten entsprach, sondern als "Belastung" gesehen wurde und deshalb sterben musste. Arbeitsblatt 4 [PDF 884,3 KB] Lösungsvorschlag 4 [PDF 95,1 KB] |
| Auswertung/Transfer | Am Ende der ersten Doppelstunde werden die bisher zusammengetragenen Ermittlungsergebnisse im Plenum verglichen. Angaben zum Tathergang und zu dem oder den Tätern können zu diesem Zeitpunkt noch nicht gemacht werden. Diese Aspekte sollen in der nächsten Doppelstunde in den Fokus rücken. In einer abschließenden Diskussionsphase soll darüber nachgedacht werden, was uns aus heutiger Perspektive mit Unverständnis und Sprachlosigkeit im Mordfall Johannes Maurers zurücklässt. |
| zweite Doppelstunde | In den Fängen eines gnadenlosen, menschenverachtenden Organisations- und Verwaltungsapparats |
| Einstieg | Als Anknüpfung an das Ende der ersten Doppelstunde reflektieren die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen die grundsätzlich unterschiedlichen Menschenbilder einerseits in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und andererseits in der NS-Diktatur. Die Begriffe Würde und der Wert eines Menschen müssen einander gegenübergestellt werden. Eine mögliche Konsequenz, wenn die Würde des Menschen in einer Gesellschaft missachtet wird, ist Verfolgung, Ausgrenzung, und im Fall von Johannes Maurer, die Ermordung. Im weiteren Unterrichtsgespräch werden Ziele der Doppelstunde festgelegt: die noch offenen Fragen zu Tathergang und Täterschaft klären. Arbeitsblatt 5[PDF 82 KB] Lösungsvorschlag 5 [PDF 92,1 KB] |
| Erarbeitung 1 | Ausgangspunkt zur Erarbeitung des Tathergangs und der Täterschaft ist ein Blankomeldebogen, der ab 1939 von der Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten über die Innenministerien der Länder an die Heilanstalten weitergeleitet wurde. Auf der Grundlage dieser Meldebögen wurde über Leben und Tod entschieden. Die Schülerinnen und Schüler knüpfen in der Arbeit mit der genannten Quelle an die ideologischen Voraussetzungen an, beschäftigen sich vertieft mit den Begriffen Wert und Würde. Die bislang gewonnenen Erkenntnisse sollen nun um eine Recherche auf der Seite der Landeszentrale für politische Bildung ergänzt werden. Die Schülerinnen und Schüler ermitteln den konkreten Tathergang im Fall von Johannes Maurer und benennen Täterebenen. Sie erkennen das arbeitsteilige staatliche Großverbrechen. Die Ergebnisse werden auf dem Ermittlungsprotokoll eingetragen. Eine Darstellung als Strukturskizze ist auch möglich. Es kann in Kleingruppen gearbeitet werden, die Ergebnisse werden dann im Plenum besprochen. Arbeitsblatt 6 [PDF 1,1 MB] Lösungsvorschlag 6 [PDF 108,1 KB] |
| Erarbeitung 2 | Der stellvertretende Leiter der Heilanstalt Weissenau, Dr. Weskott, musste sich in unmittelbarer Nachkriegszeit zwei Spruchkammerverfahren unterziehen. Die Urteile sind nachzulesen. Die Schülerinnen und Schüler vergleichen Weskotts Handeln in den Briefen aus der Fürsorgeakte mit seinen Behauptungen vor der Spruchkammer. Weskott gibt vor Gericht an, er habe Anstaltspfleglinge vorzeitig nach Hause entlassen, um sie vor der Tötung zu schützen. Die Briefe aus der Fürsorgeakte beweisen das Gegenteil. Die Lernenden reflektieren über mögliche Handlungsspielräume eines Täters und beurteilen die Einstufung Weskotts als Mitläufer. Der Arbeitsauftrag kann sowohl in Kleingruppen als auch in Einzelarbeit bearbeitet werden. Arbeitsblatt 7 [PDF 117,3 KB] Lösungsvorschlag 7 [PDF 86,6 KB] |
| Vertiefung/ Auswertung/Transfer | Als Abschluss der Stunde werden im Unterrichtsgespräch die Erkenntnisse aus dem Ermittlungsprotokoll besprochen. Danach reflektieren die Schülerinnen und Schüler, weshalb es heute notwendig ist sich mit dem Thema der NS-"Euthanasie" zu beschäftigen. Dazu stellen sie sich vor, sie begegnen jemandem, der die Verbrechen im Nationalsozialismus bagatellisiert. In Kleingruppen formulieren die Lernenden Gegenargumente und stützen sich dabei auf das in den beiden Doppelstunden erarbeitete Arbeitsblatt 8[PDF 1,4 MB] Lösungsvorschlag 8 [PDF 91,2 KB]. Im Plenum werden die Argumente vorgetragen und können in der Gruppe reflektiert werden. |
