Offenes Drama: Dantons Tod

Gesamtstruktur:

    • keine logische und chronologische Handlung
    • Einzelszenen, fragmentarische Ausschnitte

Komposition:

    • rascher Schauplatzwechsel führt Vielfalt des Revolutionsszenarios vor: Jakobinerclub, Konvent, Revolutionstribunal; Spielzimmer und Palais Royal; Gasse der Plebejer und Promenade der Bürger; Privaträume bei Robespierre, Danton, Camille; Gefängnisse
    • Personenvielfalt zeigt chaot. Umbruchszeit: 27 Einzelpersonen; außer Simon und Frau gehören jedoch alle Personen mehr oder weniger zu derselben Schicht der revolutionstragenden, bürgerl. Intelligenz
    • Zeitstruktur : Handlung geht vom 24.03.1794 (Hinrichtung der Hebertisten, I,1, S.6) bis zur Hinrichtung der Dantonisten am 05.04.1794 (IV,5): 13 Tage
      1. Akt : Sz. 2-5 dicht hintereinander, Sz. 6 spielt 24 Stunden später. I,1 in unklarem zeitl. Zusammenhang mit dem Folgenden, aber unmittelbarer Zusammenhang denkbar.
      2. Akt : Sz. 1-6 im Verlauf des Tages (nach Ankleiden geht Danton mit Camille in dessen Wohnung, wird gewarnt, flieht, kehrt um; nachts: September“Vision“, später in der Nacht Verhaftung); Sz. 7 spielt am Tag danach im Nationalkonvent.
      2. Akt fällt demnach auf den 31.03./01.04.
      3. Akt : Kein chronolog. Anschluss, sondern Überschneidung mit Schluss des 2. Aktes. Einlieferung der Dantonisten ins Gefängnis und Diskussion im Konvent ungefähr gleichzeitig. Umfasst ansonsten Zeit von der Verhaftung bis zum Tag der Hinrichtung: 01.-04.04. Drei Verhöre, die in die Zeit fallen, sind erwähnt. Eindruck eines raschen, unaufhaltsamen Ablaufs.
      4. Akt : Reicht vom Abend vor der Hinrichtung bis zum Hinrichtungstag: 05.04.

Handlungsführung:

    • Übermacht des einzelnen Augenblicks durch vereinzelte Situationen, kein Zeitkontinuum
    • Konzentration auf kurze Etappe des Untergangs Dantons, keine Wiedergabe der ganzen Revolution : Ausschnitt als Ganzes, nicht das Ganze in Ausschnitten
    • weiterer Verlauf der Revolution bleibt offen: keine über-greifende, sinnstiftende Idee
    • keine Handlungskurve (Spannung) , sondern Zeitetappen auf dem Weg zu Dantons Untergang (Umstände, einzelne Situationen wichtig)
    • keine zielstrebige Handlungsentwicklung , sondern Darstellung wesentl. Einzelaspekte, die Handlungsverlauf oft sogar unterbrechen: z. B. I,5 (Marionszene), II,3 (Camilles Kunsttheorie), III,1 (Philosophengespräche), II,2 (Promenaden-Szene) oder IV,2 (Dumas-Szene): Büchner setzt hier seine inhaltlichen Akzente

Helden:

    • persönl. Widersacher Dantons scheidet am Ende des 1. Aktes bereits aus; im Mittelpunkt stehen jetzt keine zwei Widersacher (klass. Drama), sondern das Verhältnis Dantons zu den Zeitumständen, die seine eigentl. Widersacher sind

Szenenabfolge:

    • keine kontinuierl. Aufeinanderfolge im Sinne des Handlungsaufbaus, sondern Kontrastierung (radikale Stimmungsumbrüche); permanente Personenwechsel; Verfremdungseffekte (z.B. Entlarvung des Liberalismus-Programmes der Dantonisten durch Volksszene I,2 oder Dantons Gewissensqualen durch Herumalbern des Verhaftungskommandos, II, 5/6)
    • lockere Reihung innerhalb der Einzelszenen

Monologisierung:

    • entspricht der dargestellten Weltsicht: Isolation des Einzelnen u. Unmöglichkeit zwischenmenschl. Kommunikation (I,6  Robespierre; II,4 u. IV,3 sowie II,5 Danton; III,6, Barère; IV, 2 u. IV, 6 Julie; II,3 u. IV, 4 Lucile).
      In den Monolgen formulieren Protagonisten ihre eindringlichsten Gedanken.