Sequenz 1
von StD Hans Robert Spielmann
Vorbereitende Begriffsklärungen: Die Unterscheidung von Recht, Gerechtigkeit und deren Verhältnis zur Moral
Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas (Reclam 218, S. 43, Z. 28-S. 45, Z. 10)
1. Bitte klären Sie folgende Fragen:
- Wie versucht Kohlhaas darzulegen, dass er im Recht ist?
- Wie argumentiert Luther?
- Wie ist Kohlhaas’ Vorschlag zu bewerten?
Versuchen Sie eine Skizze anzufertigen, in der die Begriffe „Gemeinschaft“, „Staat“, „Gesetz“ sowie „Gerechtigkeit“ in Bezug gesetzt werden mit dem Ziel einer unterscheidenden Bestimmung von „Recht“ und „Gerechtigkeit“.
Informieren Sie sich zur genaueren Begriffsbildung bei www.de.wikipedia.org über die Begriffe „Naturrecht“, „positives Recht“ sowie „Rechtspositivismus“. Was ist „positives Recht“; was ist „Naturrecht“?
In einer 1969 gehaltenen Rede vor Juristen erzählte Dürrenmatt eine Geschichte aus „Tausendundeiner Nacht“ nach:
2. Beziehen Sie nun die folgende Geschichte von Friedrich Dürrenmatt in Ihre Überlegungen mit ein. Warum hat Dürrenmatt den Juristen diese Geschichte erzählt? Welche Fragen im Hinblick auf Recht und Gerechtigkeit wirft sie auf?
„Der Prophet Mohammed sitzt in einer einsamen Gegend auf einem Hügel. Am Fuße des Hügels befindet sich eine Quelle. Ein Reiter kommt. Während der Reiter sein Pferd tränkt, fällt ihm ein Geldbeutel aus dem Sattel. Der Reiter entfernt sich, ohne den Verlust des Geldbeutels zu bemerken. Ein zweiter Reiter kommt, findet den Geldbeutel und reitet damit davon. Ein dritter Reiter kommt und tränkt sein Pferd an der Quelle. Der erste Reiter hat inzwischen den Verlust des Geldbeutels bemerkt und kehrt zurück. Er glaubt, der dritte Reiter habe ihm das Geld gestohlen, es kommt zum Streit. Der erste Reiter tötet den dritten Reiter, stutzt, wie er keinen Geldbeutel findet, und macht sich aus dem Staube. Der Prophet auf dem Hügel ist verzweifelt: „Allah“, ruft er aus, „die Welt ist ungerecht. Ein Dieb kommt ungestraft davon, und ein Unschuldiger wird erschlagen!“ Allah, sonst schweigend, antwortet: „Du Narr! Was verstehst du von meiner Gerechtigkeit! Der erste Reiter hatte das Geld, das er verlor, dem Vater des zweiten Reiters gestohlen. Der zweite Reiter nahm zu sich, was ihm schon gehörte. Der dritte Reiter hatte die Frau des ersten Reiters vergewaltigt. Der erste Reiter, indem er den dritten Reiter erschlug, rächte seine Frau.“ Dann schweigt Allah wieder. Der Prophet, nachdem er die Stimme Allahs vernommen hatte, lobt dessen Gerechtigkeit.“
Friedrich Dürrenmatt, Philosophie und Naturwissenschaft. Essays und Reden, Zürich 1986, S. 38 (Diogenes). Zit. nach Hermann Nink (Hrsg.), Standpunkte der Ethik. Oberstufe, Paderborn (Schöningh 250027) 2000, S. 282. Dort weitere Texte zum Verhältnis zwischen „Naturrecht“ und „positivem Recht“.
3. Bestimmen Sie jetzt das Verhältnis von Recht und Moral näher. Grenzen Sie voneinander ab: Konvention – Moral – Normen – Rechtsnormen.
(Anregung zum Nachdenken: Sollten alle ethischen Normen Rechtsnormen werden?)
4. Abschließende Überlegung: Warum trifft Dürrenmatt im Zusammenhang mit seiner Oper „Frank V.“ bezüglich unseres Dramas die folgende Aussage: „Überhaupt ist die Freiheit das eigentliche Problem des Stückes, und nicht die Gerechtigkeit wie in der ‚Alten Dame’.“ (Werkstattgespräch von 1962, S. 128)?
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Lösungsvorschlag und mögliche Unterrichtsziele
Bildungsserver
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Zwischenspurt Deutsch - Clever ans Ziel
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