Vortrag

Diagnose – Unterrichtsgestaltung

I Vorüberlegungen

  • Mit der Heterogenität der Klassen steigen die Anforderungen an die Lehrkräfte bezüglich:
    • Diagnostik
    • Didaktik
  • Die Aspekte Diagnose und Förderung spielen bisher in der fachdidaktischen Publizistik, im Gegensatz zur hohen Praxisrelevanz innerhalb des kompetenzorientierten Unterrichts eine untergeordnete Rolle.
  • Eine erste Publikationen von Füchter (2010) versucht diese Lücke zu füllen.
...zu klärende Aspekte
  1. Welches sind die fachbezogenen Kompetenzen? (vgl. vorangegangene ZPG-Multiplikation)
  2. Welche Diagnosezwecke und -ansätze gibt es? (vgl. III)
  3. Mittels welcher Diagnoseinstrumente lässt sich die allgemeine Lernausgangslage (oder der fachbezogene Kompetenzerwerb) erfassen? (vgl. IV)
  4. Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Diagnose und Unterrichtsgestaltung ? (vgl. V)

II Diagnosezweck und Diagnoseansätze

Siehe hierzu die Übersichtsmatrix in: Füchter 2010: 17

III Diagnoseinstrumente zur Erfassung der Lernausgangslage

Anlässe

  • Übernahme einer neuen Lerngruppe
  • Einstieg in ein neues Unterrichtsthema

Dimensionen der Erfassung

  • Interessen und deren Ausprägung
  • Vorwissen und/oder instrumentelles Arbeitswissen
  • Einstellungen und deren Verfestigung und/oder Urteilskompetenz und deren Ausprägung
  • Methodenkompetenz und deren Ausprägung
  • Handlungskompetenz und deren Ausprägung
Instrumente zur Erfassung

Vorschau:

IV Diagnose - Unterrichtsgestaltung

Diagnosebereich 1:
Interessen

Diagnosebereich 2:
Vorwissen und / oder instrumentelles Arbeitswissen

Diagnosebereich 3:
Einstellungen und / oder Urteilskompetenz

Diagnosebereich 4:
Methodenkompetenz

Diagnosebereich 1: Interessen

Instrument zur Erfassung: Selbstdiagnosebögen

Vorschau:

Mögliche Ansatzpunkte zur Erstellung:

  • verbindliche und fakultative Kompetenzen der Bildungspläne
  • Problemorientierte Leitfragen des Themenfeldes

Mögliche Anknüpfungspunkte zur Unterrichtsgestaltung:

  • Themen mit hohem Interesse -> Anknüpfungspunkt zur Erarbeitung Gesamtthema
  • Hohes Interesse nur bei einigen Schülern -> evtl. inhaltliche Binnendifferenzierung

Diagnosebereich 2: Vorwissen und / oder instrumentelles Arbeitswissen

Instrumente zur Erfassug: Selbstdiagnosebögen / Mind-Mapping / Concept-Mapping

Schülerbeispiele: In welcher wirtschaftlichen Situation befinden wir uns?

  • Mind-Map
  • Concept-Map

Mögliche Ansatzpunkte zur Erstellung:

  • „Basisinhalte“ des instrumentellen Arbeitswissens
  • Problemorientierte Leitfragen des Themenfeldes

Mögliche Anknüpfungspunkte zur Unterrichtsgestaltung

  1. EA:
    • Verwendung themenspezifischer Glossare
  2. PA/GA
    • Hohes Vorwissen nur bei einigen Schülern vorhanden -> Einsatz kooperativer und tutorieller Lernformen ( z.B. Gruppenpuzzle, Lernen durch Lehren)
  3. Plenum:
    • Pflicht-, Wahlaufgaben
    • Differenzierung durch unterschiedliche Komplexität der Hausaufgaben
    • Bereitstellung verschiedener Lernangebote zu einem vorgegeben Thema (z.B. Texte, Statistiken, Rollenspiele, Bildimpulse oder Filmsequenzen...) -> Ansprechen der unterschiedlichen Lerntypen.

Grundlegende Ansätze zur Binnendifferenzierung beim instrumentellen Arbeitswissen:

Diagnosebereich 3: Einstellungen und/oder Urteilskompetenz

Instrumente zur Erfassung: Selbstdiagnosebogen / Bearbeitung problemorientierte Fragestellung in Textform

Beispiel: Selbstdiagnosebogen
Siehe hierzu Füchter 2010: 79

  1. EA: Mögliche Anknüpfungspunkte zur Unterrichtsgestaltung
    • Einsatz Diagnoseraster „Analyse- und Urteilskompetenz „(für Sek. II). Regelmäßiger Rückgriff auf und Ergänzung dieses Rasters
    • Auseinandersetzung mit Fremdurteilen

Vorschau:

  1. PA/GA: Mögliche Anknüpfungspunkte zur Unterrichtsgestaltung
    • Partner- bzw. Gruppenbildung unter Berücksichtigung der Einstellungen oder des Niveaus der Urteilskompeten
    • Förderung der Transparenz bei der Entscheidungsfindung innerhalb der Gruppe durch Verwendung des Diagnoserasters „Analyse- und Urteilskompetenz“ oder durch „Herunterbrechen“ der Kriterien auf das konkrete Thema (z.B. Gerechtigkeit versus Effizienz)
  2. Plenum: Mögliche Anknüpfungspunkte zur Unterrichtsgestaltung
    • Zeigt sich bei den Aussagen ein stark einheitliches Meinungsbild können die Einstellungen hinsichtlich der ihnen zugrunde liegenden Kriterien (Sach- und Wertaspekte) analysiert werde
    • Zeigt sich bei den Aussagen eine starke Polarisierung, so kann dies z.B. für problemorientierten Fragestellungen genutzt werden
Analysieren und strukturiereneigenständiges PlanenTextarbeitProduktives GestaltenSimulatives HandelnReales Handeln

Politikzyklus

Drei-Segmente-Modell

Kompetenz- Strukturmodell

Wirkungsgeflecht

Strukturmodelle

Concept-Mapping

Projekt Schüler unterrichten Schüler

Selbst organisiertes Lernen (SOL)

Recherchieren - Informationen auswerten

Texte erfassen

Karikaturen interpretieren (u.a. Karikatour)

Diagramme interpretieren und erstellen (z.B. lebende Statistik, Lebendiges Diagramm

Modelle erfassen und anwenden

Präsentations-formen: Wandzeitung, Plakat, Referat, Powerpoint

Texte schreiben: Leserbrief, Kommentar

Reden verfassen (und halten), z.B. Wahlrede, Plädoyer bei Gerichtsverhandlung

(Kurz-)Referat: z.B. Feldmethode zu Themenfeld, Wochenbericht

Szenario

Zukunftswerkstatt

Planspiel

Rollenspiel

Konferenzgespräch

Computer-Simulation z.B. Kiosk, Macro, Wahl-O-Mat

Pro-/ Contra- Diskussion / Debatte

„Good Angel“- “Bad Angel“

Podiumsdiskussion

Talkshow

Fishbowl

Amerikanische Debatte

Entscheidungsspiel

Situationskarten

Partizipation im Unterricht

Schul-sprecherwahl

Praktika

Erkundung

Experten-befragung

Meinungs-umfrage durchführen und auswerten

Instrumente zur Erfassung: Selbstdiagnosebögen

Vorschau:

Beispiele zu weiteren Selbstdiagnosebögen bzw. Kompetenzraster finden sich z.B. zu:

  • Lernplakaten oder
  • Pro-/Contra-Debatten

    (vgl. hierzu Füchter 2010: 98f. oder 104f.)

Mögliche Anknüpfungspunkte zur Unterrichtsgestaltung:

  1. EA:
    • in Kleingruppen Auswertung von Schülerlösungen mittels vorgegebener Raster, z.B. zur Analyse von Diagrammen etc. Regelmäßiger Rückgriff auf dieses Rasters und individuelle Schwerpunktsetzung gemäß des Kompetenzstands
  2. PA/GA:
    • Sind die Kompetenzen nur bei einigen Schülern vorhanden, kann ein Ansatz zur Binnendifferenzierung sein. Überlegungen könnten hierbei bei der Methode „Erstellung von Lernplakaten“ sein:
      • Welche Teilaufgaben sollen welchen Schülern übertragen werden (in Abhängigkeit der vorhandenen Methodenkompetenz)?
  3. Plenum:
    • Sind die Kompetenzen nur bei einigen Schülern vorhanden, kann ein Ansatz zur Binnendifferenzierung sein.
      Überlegungen könnten hierbei bei Pro-/Contra-Debatten sein:
      • Wie soll die Rollenbesetzung erfolgen (in Abhängigkeit vorhandenen Methodenkompetenz und Einstellung) ?

Individualisierter Unterricht

Ziel:

  • selbstbestimmtes bzw. selbtsgesteuertes Lernen

Lernangebote:

  • Stationenarbeit: Lernzirkel, Lerntheke, Lerninsel
  • Planarbeit: Wochenplan, Pflicht- und Wahlaufgaben
  • Freiarbeit: Themenbörse, Lerntagebücher
  • Lernbüro/Lernatelier
  • z.B. Kepler-Gymnasium Freiburg
    • 8-17 Uhr für alle Klassen
    • Betreuung: Lehrkräfte und Lernberater
    • Lernmaterialien, Arbeitsplätze, EDV etc.
    • individuell in Freistunden und nachmittags nutzbar
    • auch zur Binnendifferenzierung während des Unterrichts nutzbar
      (noch nicht durchgehend etabliert)

Literaturverzeichnis

Füchter, Andreas (2010): Diagnostik und Förderung im gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht, Immenhausen bei Kassel.

Krammer, Reinhard (2008): Kompetenzen durch Politische Bildung. Ein Kompetenz- Strukturmodell, in: Forum Politischer Bildung (Hg.): Informationen zur Politischen Bildung, Nr. 29, S. 5-14.

Petrik, Andreas (2010): Ein politikdidaktisches Kompetenz-Strukturmodell. Ein Vorschlag zur Aufhebung falscher Polarisierungen unter besonderer Berücksichtigung der Urteilskompetenz, in: Ingo Juchler (Hrsg.): Kompetenzen in der politischen Bildung. [Schriftenreihe der GPJE Band 9]

Vortrag: Herunterladen [pdf] [755 KB]