Aufgabe 1

 

Die Schülerin / Der Schüler beachtet den Operator. Sie/er ...

Richtwert

AFB

1

nennt

  • den Fundort (die regionale bundesrepublikanische Tageszeitung „Main-Post“)
  • die Entstehungszeit (12.8.1950), also im Jahr nach der doppelten Staatsgründung

1 VP

I

2

  • nennt als Bild- und Textelemente:
    • die beiden deutschen Michel, die als Marionetten dargestellt sind,
    • die Fäden, die die Marionetten halten und aus dem Nichts kommen
    • die Hand mit dem Schriftzug „NKWD“ am Ärmel über der Marionette mit Hammer und Sichel
    • den weiter geöffneten Mund bei der Marionette mit Hammer und Sichel
    • den Zeigegestus beider Marionetten (ausgestreckter Zeigefinger)
    • ihren unsicheren „Standpunkt“: auf den Fersen
    • die Bildunterschrift

2 VP

I

3

  • benennt Relation und Interaktion zwischen den Marionetten:
    • sie sind weitgehend spiegelbildlich angeordnet
    • sie lachen einander aus
    • sie rufen sich gegenseitig zu: „Du bist ne Marionette!“

2 VP

I

4

  • benennt die beiden deutschen Michel als Personifikationen der Bundesrepublik und der DDR

1 VP

I

 

Summe 1-4

6 VP

I

5

  • erklärt die Karikatur im historischen Kontext:
    • Die Fäden, an denen die Marionetten hängen, stehen für die Abhängigkeit der beiden deutschen Staaten vom jeweiligen Blocksystem, die sie sich selbst nicht eingestehen wollen, aber dem jeweils anderen vorhalten.
    • Diese Fäden verweisen auf die Westintegration der Bundesrepublik (parlamentarische Demokratie, Marktwirtschaft, Beitritt zur OEEC usw.) einerseits und die Ostintegration der DDR („Volksdemokratie“, Planwirtschaft, Beitritt zum RGW usw.) andererseits.

4 VP

II

6

  • formuliert die Gesamtaussage der Karikatur:
    • Die beiden deutschen Staaten werden als abhängige Akteure im seit 1947 entbrannten Kalten Krieg dargestellt, die ihre eigene Abhängigkeit von der jeweiligen Supermacht USA bzw. Sowjetunion verkennen, die ihres jeweiligen Gegenübers aber anprangern.

2 VP

II

7

  • bestimmt die Perspektive des Karikaturisten:
    • Der für eine bundesrepublikanische Zeitung zeichnende Karikaturist kritisiert die Verblendung beider deutscher Staaten gleichermaßen und nimmt insofern eine neutrale Haltung gegenüber der Ost-West-Konfrontation ein, die im Jahr 1950 angesichts der Frühphase des Kalten Kriegs nicht typisch für die Sichtweise der Bundesbürger gewesen sein dürfte.
    • Tendenzen zur Parteilichkeit (Antikommunismus) lassen sich allerdings aus dem Hammer-und-Sichel-Emblem, der sichtbaren Hand mit dem Schriftzug „NKWD“ am Ärmel, den kürzeren Fäden und dem weiter aufgerissenen Mund beim DDR-Michel ableiten.

2 VP

II

 

Summe 5-7

8 VP

II